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Bericht in den Freiburger Nachrichten vom 11. Juli 1946

100 Jahre Schützengesellschaft Tafers

Am nächsten Sonntag begeht die Schützengesellschaft Tafers das Fest ihrer Fahnenweihe und zugleich die Feier ihres 100jährigen Bestehens. Bei diesem Anlass ist es wohl am Platze, unsere Bevölkerung mit der Geschichte einer der ältesten Schützengesellschaften des Bezirkes bekannt zu machen.

Hundert Jahre Vereinsgeschichte, ein Wort, auf das jeder Verein stolz ist, der es für sich beanspruchen kann. Und dieser Stolz ist berechtigt, denn einen Verein durch 100 Jahre von Generation zu Generation hindurchretten, allen Stürmen der Zeit trotzend, heisst etwas. Mancher Verein, welcher Richtung er auch ist und was für Ziele er auch hat, löst sich auf, bevor er sein Zentenarium feiern kann. Darum ist die Schützengesellschaft Tafers stolz auf ihr 100jähriges Bestehen, stolz auf ihre 100jährige Vereinsgeschichte, stolz auf ihr neues Banner.

Hundert Jahre Vereinsgeschichte: Ein zerzaustes Protokollbuch mit vergilbten Blättern und verwitterten Buchstaben – es wurde scheinbar mehrere Jahre im Schützenhaus aufbewahrt – gibt uns Aufschluss über die Anfänge der Schützengesellschaft Tafers. Am 30. August 1846 versammelten sich einige schiesskundige Bürger von Tafers und Alterswil, zwecks Gründung einer Schützengesellschaft. Die konstituierende Versammlung fand aber nicht in Tafers, sondern im Schulhaus von Alterswil statt. Es wurde eine Kommission von 5 Mitgliedern bestellt, welche die nötigen Regeln und Statuten zu entwerfen hatte. Der Kommission gehörten an: Bäriswil Christoph, Richter, Alterswil als Präsident; Udry Johann, Lehrer, Tafers; Birbaum Daniel, Ammann des Juchschrots; Brügger Lorenz, Lehrer, St. Antoni; Egger Stephan, Wolperwil.

Im Mai des folgenden Jahres fand die 2. Versammlung statt, an der die inzwischen entworfenen Statuten vorgelegt und genehmigt und der erste Vorstand gewählt wurde. Als erster Präsident der Schützengesellschaft waltete Herr von Surbed, Kommandant des deutschen Landsturmes. Ferner gehörten dem Vorstand an die Herren: Bäriswil Christoph, Richter und Lehrer, Alterswil; Udry Johann, Lehrer, Tafers; Stritt Jakob, Pfarreirat, Tafers; Brügger Lorenz, Lehrer, St. Antoni und Heimo Jakob, Heimomuhren.

Die Gründung fällt somit in die Zeit der Sonderbundskriege. Ich erwähne hier folgende Daten: 1845 Entstehung des Sonderbundes, dem ach Freiburg angehört, Juli 1847dessen Auflösung durch die Tagsatzung, 13./14. November 1847 Einnahme der Stadt Freiburg durch die Tagsatzungstruppen. Diese Begebenheiten in der Schweizer Geschichte sind hier von Bedeutung, weil scheinbar auch die Schützengesellschaft, respektiv ihr Präsident, davon zu spüren bekam. Am 1. Mai 1849 reichte nämlich Herr Obrist von Surbed seine Demission als Präsident ein, "da er seiner politischen und bürgerlichen Rechte beraubt sei. Doch die Schützengesellschaft", heisst es dann weiter, "wählte Herrn Surbed neuerdings zum Präsidenten, da die Beraubung seiner bürgerlichen Rechte auf keinem Grunde beruhe, sondern aus politischen Hass erfolgt sei". Diese Massnahme gegen Herrn v. Surbed wurde also von der liberalen Regierung, die allen unterworfenen Kantonen des Sonderbundes aufgedrängt wurde, verhängt. Aus welchem Grunde dies geschah, entgeht dem Schreiber.

Nach diesen paar Jahren ersten Aufblühens folgte ein Einbruch von 5 Jahren. 1858 kam neues Leben in die Gesellschaft. Es meldete sich eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder, die Statuten wurden revidiert und ein neuer Vorstand gewählt. Im folgenden Jahre fand das erste "Freischiesset", ein Wettschiessen mit Naturalgaben, statt.

Am 4. Aug. 1867 wurde die Trennung in Schützengesellschaften Tafers und Alterswil vorgenommen, die bisher zusammengehörten. Das Schützenhaus, von jeher das Sorgenkind der Gesellschaft, stand nach den ältesten Angaben ungefähr am gleichen Platze, wo es sich heute noch befindet. Der erste Schützenstand muss ein sehr primitiver und billiger Bau gewesen sein, denn 1871 stürzte er bei einem Gewitter ein. Doch schon damals gab es sogenannte "Getteni", ohne die mancher Verein nie emporgekommen wäre. Die Schützengesellschaft fand ihre Retter in der Not in der Person des Herrn Neuhaus, Oberamtschreiber, der die Trümmer des Schützenhauses ankaufte und dafür auf eigene Kosten ein neues errichten liess.

Fehlte es an der Führung, oder war es infolge Interesselosigkeit der Mitglieder, dass die Gesellschaft in den Jahren 1871 – 1885 zu zerfallen drohte? Zwar versuchte man bereits 1881 eine Wiedergeburt herbeizuführen, doch ohne Erfolg. Erst 1885 gelang es Hrn. Oberamtmann Bertschn die Schützengesellschaft neu zu begeistern und zu beleben. Die Statuten wurden revidiert, ein Mitgliederverzeichnis erstellt, das Schützenhaus repariert, ein Stutzer gekauft und ein Grümpel- und Punkteschiesset mit anschliessendem, heute noch üblichen Hasenpfeffer organisiert.

1887 fand die erste Delegiertenversammlung der Schützengesellschaften des Sensebezirkes statt, an der 5 Sektionen, worunter auch Tafers, teilnahmen. Letztere, beziehungsweise ihr Präsident, Herr Oberamtmann Bertschn, wurde mit der Durchführung eines Sektionswettschiessens beauftragt, das aber wegen Nicht-Zusage vieler Sektionen nicht zustande kam.

1890 beschäftigte man sich wiederum mit der Erstellung eines neuen Schützenhauses. Bereits war der Bau bewilligt und das nötige Material herangeschafft, als man im Frühling 1891 neuerdings davon Abstand nahm und die Baumaterialien durch Steigerung sogar veräusserte.

Nachdem nun die Gesellschaft sich zu neuer Blüte entfaltet hatte, wurde 1889 der Anlauf einer Vereinsfahne beschlossen, dieser Beschluss fand aber seine Verwirklichung erst 6 Jahre später. Ob das Banner von 1895 überhaupt des erste war, ist unaufgeklärt, denn es soll bereits in den Jahren 1875/76 ein solches bestanden haben.

Die Schützengesellschaft Tafers blieb ihren Idealen auch im 20. Jahrhundert treu. Die Begeisterung für den Schiesssport wurde durch den ersten Weltkrieg keineswegs geschmälert, trotzdem in diesen 4 Jahren gleich wie während dem eben zu Ende gegangenen Kriege die Schiessbetätigung sehr beschränkt war. Ein umso grösserer Eifer wurde in der Nachkriegszeit entwickelt. Trotz der hohen Jahresbeiträge, die sich sogar bis auf 10 Fr. beliefen, erhielt die Gesellschaft stets neuen Zuwachs, sodass sie auch imstande war, sich an manchem kleineren und grösseren Schützenfeste zu beteiligen und oft einen ehrenvollen Rang einzunehmen, wovon Becher, Lorbeerkränze und Abzeichen zeugen. So nahm sie unter anderm teil am eidg. Schützenfest in Freiburg, am Seeländischen Schützenfest in Laupen und an den kantonalen Schützenfesten in Romont, Murten und Düdingen. Lange Jahre hindurch befand sich die Schützengesellschaft finanziell in schwieriger Lage, verursacht durch den Bau des Schützenhauses in den Zwanzigerjahren und ständige Reparaturen am Scheibenstand. Die gesunde Finanzpolitik des jeweiligen Vorstandes, jährlich möglichst grosse Abzahlungen zu leisten, brachte die Gesellschaft mit den Jahren doch noch auf einen grünen Zweig. Wohl ein grosser Verdienst daran hat die Gemeinde Tafers, die jedes Jahr mit einem schönen Beitrag grössere Amortisationen ermöglichte.

Die Schützengesellschaft Tafers kann stolz sein auf die Vergangenheit und auf ihre 100jährige Geschichte, die weit mehr in sich schliesst, als diese paar Streiflichter darzulegen vermochten. Sie blieb durch ein Jahrhundert ihrer Fahne, dem Symbol ihrer Schützenideale treu. Möge auch die jetzige und die kommende Generation der neuen Fahne die Treue halten!

J. St.

100 Jahrfeier und Fahnenweihe

der Schützengesellschaft Tafers

Sonntag, den 14. Juli 1946.

Festzugs-Ordnung.

1310   Sammlung der Gruppen auf der Strasse Tafers-Alterswil.

1320   Zug durchs Dorf zur Kirche.

Reihenfolge:

1.   Musikgesellschaft

2.   Gruppe «Wilhelm Tell».

3.   Neu Fahne mit Patenpaar.

4.   Fahnendelegationen: Düdingen und Alterswil.

5.   Ehrengäste: Kantonal-Vorstand, Bezirks-Vorstand, Schiesskommission der Sense, ehemalige Präsidenten der Gesellschaft Tafers, Bezirksbehörden, Gemeindebehörden, Pfarreibehörde.

6.   Kadettengruppe.

7.   Delegationen der Schützengesellschaften des Bezirkes mit Fahne.

8.   Delegationen der Ortsvereine mit Fahne: Cäcilienverein, Arbeiterverein, Jungmannschaft, Turnverein.

9. Schützengesellschaft Tafers mit der alten Fahne.

Nach der kirchl. Weihe und der Ehrung beim Soldatendenkmal folgt die gleiche Aufstellung auf der Strasse Oberamt-Schulhaus. Zug zum Hotel Taverna und Abwicklung der weltlichen Feier.

Wir bitten um Beachtung des allgem. Festprogramms auf der letzten Seite und empfehlen insbesondere die Inserenten, welche diese Herausgabe in dieser Form ermöglichen.